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Interview des syrischen Präsidenten Bashar al Assad im russischen Fernsehen : übersetzt von Barbara #Syrien #Syria

20/05/2012

Gesendet am 20.05.2012 um 15:52

Gestern bin ich kaum ins Internet hineingekommen, vielleicht wegen des neuerlichen schrecklichen Selbstmordattentats mit einer Autobombe, die wieder so viele Menschen getötet (9) oder verletzt (100), so viele Menschen ihrer Wohnungen beraubt hat.

Nachdem ich gehört habe, dass französische Medien behauptet haben, der syrische Praäsident habe in seinem Interview Frankreich gedroht und dass al Jazeera allen Ernstes vorgegeben hat, dass Syrien Qatar und Saudiarabien angreifen wolle, gebe ich hiermit den Wortlaut des Interviews auf Deutsch wieder, damit sich jeder selbst ein Bild von dem Interview machen und beurteilen kann, was es mit den Drohungen auf sich hat.

Interview des syrischen Präsidenten Bashar al Assad im russischen Fernsehen :

F : Ich danke Ihnen, Herr Präsident, dass Sie uns diese Unterredung gewähren. Erlauben Sie mir, dass ich mit dem Wichtigsten beginne, d.h. den Parlamentswahlen. Wie bedeutend oder wesentlich sind sie im politischen Prozess? Und wie beurteilen Sie ihre Ergebnisse?

A : Natürlich handelt es sich um einen wichtigen Schritt, der ein Teil der Reformen sind, die wir vor ungefähr einem Jahr begonnen haben. Die Wahlzentren spiegeln die Meinung des Volkes wider. Diese Wahlen sind eine ernste Botschaft an alle, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes, deren Bedeutung ist, dass das syrische Volk die Bedrohung durch die Terroristen nicht fürchtet, die versucht haben, die Wahlen platzen zu lassen und uns dazu zu zwingen sie zu annulieren. Die Resultate zeigen, dass das syrische Volk die Reformen weiter unterstützt, die wir seit ungefähr einem Jahr durchführen, und seine Mehrheit unterstützt die etablierte politische Ordnung. All das erklärt die Wichtigkeit dieser Parlamentswahlen. 

F : Einige Oppositonelle wie Qadri Jamil sagen, dass die Wahlen nicht transparent waren und sie drohen damit, das Parlament zu verlassen. Was ist der Grund dafür, Ihrer Meinung nach?

A : Es ist natürlich, dass jeder seine Meinung darüber hat, wie Wahlen zu organisieren sind – das Wahrscheinlichste ist, dass das Wahlgesetz selbst ihnen nicht zu gefallen scheint – aber wir können mit ihnen später darüber diskutieren.

F : Der SNC hat aus dem Ausland dazu aufgerufen, die Wahlen zu boykottieren. Wer sind diese Leute? Und ist es angemessen, sie als Opositionelle zu betrachten?

A : Zum Wahlboykott aufzurufen kommt einem Volksboykott gleich. Wie können Sie die Leute boykottieren, als deren Vertreter Sie sich betrachten? Das ist der Grund, weshalb ich nicht glaube, dass diese Leute irgend ein Gewicht im Inneren Syriens haben.

F : Aber diese Opositionellen verfügen über die FSA, deren Mitglieder bewaffnet sind und hier in Syrien kämpfen. Sind einige von ihnen Ausländer oder sind sie alle Syrer?

A : Erstens bilden sie keine Armee und sind nicht frei. Die Waffen und die Finanzierung sind ihnen durch das Ausland sicher, durch verschiedene Länder. Einige von ihnen sind religiöse Extremisten der al-Qaida-Bewegung. Und ich meine hier nicht nur diese Organisation, sondern auch eine Ideologie; ich sage dass sie mit al-Qaida die gleiche extremistische und terroristische Ideologie teilen. In Syrien gibt es auch ausländische Söldner, von denen welche verhaftet wurden, die wir der ganzen Welt vorführen werden und von denen einige getötet wurden. Wir haben noch nicht von diesen Söldnern gesprochen, weil wir nicht über Dokumente verfügen, die ihre ausländische Staatsbürgerschaft beweisen. Es war sicherlich leicht, dies von ihrem Aussehen her zu bestätigen, aber das genügt nicht, um öffentlich anzukündigen, dass es sich um Ausländer handelt. Was diejenigen betrifft, die verhaftet wurden, so handelt es sich hier um Söldner aus verschiedenen Ländern, vor allem aus arabischen Staaten.

F : Der russische Geheimdienst verfügt über Informationen, nach denen die FSA Ausbildungszentren im Kosovo besitzt und dass es Verhandlungen zur Anerkennung des unabhängigen Kosovo durch die bewaffneten Opositionellen gibt, wenn sie mal an der Macht sind als Gegenleistung der aktuellen Unterstützung dieser Opositionellen durch den Kosovo.

A : Ich weiß nicht, ob es sich um bewaffnete Opositionelle oder andere Personen handelt, aber wir besitzen Informationen, nach denen eine Opositionsgruppe – oder eher die welche vorgeben, zur Opposition zu gehören – sich in den Kosovo begeben hat, um von der Erfahrung zu profitieren, die dieses Land in der Organisierung einer ausländischen Intervention hat und da vor allem in der Art und Weise, wie man eine NATO-Intervention in Syrien provozieren kann. Ja, wir haben solche Informationen und wir sind uns sicher, dass sie wahr sind.

F : Die Türkei hat gesagt, sie wolle immer noch die Schaffung einer Pufferzone in Syrien an der Grenze zwischen beiden Ländern unter Kontrolle der türkischen Streitkräfte, die auch solche Ausbildungszentren beherbergen würde. Aber warum glaubt Erdogan, dass der Fall des syrischen Regimes nahe ist? Und was sind die Interessen der Türkei im Lichte dieser Erklärungen?

A : Sie haben hier gar kein Interesse. Nach Informationen, die wir von anderen Persönlichkeiten einflussreicher türkischer politischer Kreise erhalten, mit denen wir noch solide Beziehungen unterhalten, haben die Türken diese Absichten nicht. Einige türkische Führer haben eine überschäumende Fantasie. Aber die meisten von denen, die wir während der Krise getroffen haben, kennen die wahre Lage in Syrien, mit ihren positiven und negativen Seiten. Es ist ihnen vollkommen klar, dass jede Krisensituation in der Region direkt oder indirekt einen Einfluss auf die Lage in der Türkei hat. Chaos und Terrorismus, das wird auf die Türkei zukommen und auf jedes andere Land der Region, weil wir Nachbarn sind. Sie verstehen das vollkommen. Aber ich komme darauf zurück, was ich am Anfang gesagt habe, nämlich dass manche Politiker eine große Vorstellungskraft haben und sich als sehr intelligent betrachten. Du kannst intelligent sein und Computer mit dem ausgefeiltesten elektronischen Zubehör besitzen, aber wenn dieses System eine schlechte Organisationsanleitung hat, sind ernsthaft keine guten Ergebnisse davon zu erwarten.

F : Was die Rolle Frankreichs betrifft, was wird in der Politik dieses Landes anders, nachdem ein neuer Präsident an der Macht ist?

A : Ich denke, dass die Rolle jedes Präsidenten sich darin erschöpfen muss, für das Wohl und die Interessen seines Landes zu arbeiten. Und die Frage ist: Was hat Frankreich mit seiner Politik, die es ein Jahr lang gegen Syrien, Libyen oder jedes andere Land geführt hat, gewonnen? Wie Sie wissen, hat Frankreich an dem bewaffneten Angriff gegen Libyen teilgenommen und ist deshalb verantwortlich für den Tod von Hunderten oder eher Tausenden libyscher Zivilisten. In allen Fällen werden das Chaos und der Terrorismus, denen die Region in diesem Augenblick ausgeliefert ist, sich negativ auf Europa auswirken, weil es in der Nähe unserer Region liegt. Man kann uns als südliche Nachbarn von Europa betrachten. Ich hoffe, dass der neue französische Präsident an die Interessen seines Landes denken wird, denn ich glaube, dass es nicht in dessen Interesse ist, weiter das Feuer des Chaos und der Krise im Mittleren Osten und in der ganzen arabischen Welt zu schüren.

F: Und was wollen die Franzosen? Warum legen sie so viel Wert auf einen Wechsel des Regimes in Syrien?

A : Der Grund dafür liegt vielleicht in der unterschiedlichen Sichtweise Syriens und der Ihrigen in vielen Dingen, wie z.B. dem iranischen Atomprogramm oder noch in der palästinensischen Frage und der Widerstandsbewegung. Wir haben eine unabhängige Meinung zu all diesen Fragen.

F : Was den Schmuggel von Waffen nach Syrien betrifft, wird gesagt, dass ihre Einschleußung über die Grenze mit dem Libanon, dem Irak und Jordanien erfolgt. Haben sich die Positionen dieser Länder geändert, wenn man weiß, dass sie zu Beginn der Krise die Augen vor diesem Waffenhandel schlossen?

A : Erlauben Sie mir, mit dem Libanon zu beginnen : Es ist bekannt, dass die libanesischen Behörden in der letzten Zeit ein Schiff aufgebracht und beschlagnahmt haben, das Waffen transportierte. Der Großteil dieser Waffenladung – einschließlich der Luftabwehrraketen – kamen aus Libyen. Nach unseren Informationen ist die libysche Regierung über diesen Waffenhandel auf dem Laufenden, aber in Wirklichkeit ist es für wen auch immer sehr schwierig, völlig die Grenzen seines Landes zu kontrollieren und bei Syrien ist es wie bei den Anderen. Sie können den Umfang dieses Waffenschmuggels verringern, aber Sie können nicht hermetisch die Grenzen schließen. Bis jetzt ist die größte Menge dieser Waffen über den Libanon und die Türkei gekommen, aber wir haben keinen Beweis dafür, dass die Behörden dieser Länder in der Vergangenheit den Waffenschmuggel nach Syrien erleichtert haben. Seit kurzem versuchen die libanesischen und jordanischen Behörden, gegen diese Erscheinung vorzugehen. Ich will damit nicht sagen, dass die Haltung dieser Länder irgendeine Änderung erfahren hätte. Aber die Behörden dieser Länder sehen ganz klar, dass es sich hier keineswegs um einen (arabischen) Frühling handelt, sondern vielmehr um eine Anarchie. Ich habe es schon woanders gesagt: Wenn ihr die Anarchie in Syrien sät,wird sie unvermeidlich bei euch ankommen, und sie sind sich dessen voll bewusst.

F : Unterstützt die Türkei also die Opposition ?

A : Ja, die politische Unterstützung existiert. Es gibt gewisse Leute und politische Institutionen, die das machen. Was die Anderen betrifft, haben wir keine Beweise dafür, die ihre Unterstützung der Opposition bestätigen. Aber wir sind uns dessen bewusst, dass sie die Augen vor dem Aktivismus und dem Schmuggel Ersterer zu Gunsten der Opposition verschließen. F: Meinen Sie damit Waffen- und Geldschmuggel?

A : Alle Arten von Schmuggel.

F : Es wurde gesagt, dass eine große Anzahl von Libyern entlang der syrisch-jordanischen Grenze gruppiert wurden und dass zu fürchten ist, dass die Stadt Deraa von Raketen getroffen wird.

A : Wir haben keine genauen Informationen dazu. Es handelt sich um Gerüchte, die das Problem verschärfen, wie man auch wissentlich gewisse Gerüchte ausstreut um zu terrorisieren. Aber manche unter ihnen drücken einfach nur den frommen Wunsch gewisser Kreise aus.

F : Kommen wir nun zu Qatar. Es ist bekannt, dass Qatar seinen Einfluss auf die europäischen Märkte erhöhen will und deshalb Pläne hegt, Gasleitungen zu bauen. Kann es sein, dass hier das wahre Problem zwischen Qatar und Syrien liegt?

A : Darüber bin ich nicht im Bilde, wir haben mit Qatar nie über Gas gesprochen. Und selbst zu Zeiten guter Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern haben wir nie über dieses Thema diskutiert. Syrien hat immer vorgeschlagen, sein Territorium für den Gas- und Erdöltransprot aus dem Irak, Iran und aus Jordanien zu den Mittelmeerländern zur Verfügung zu stellen. Oder auch von den Golfstaaten zur Türkei und den europäischen Ländern. Wir haben das Thema des Erdgas- und Erdöltranports sowohl mit der Türkei, als auch mit Aserbeidschan, dem Irak und Jordanien besprochen, aber nie mit Qatar.

F : In der Vergangenheit haben manche vom Erdölkrieg gesprochen, aber jetzt sprechen die gleichen Leute von Erdgaskriegen. Kann man sagen, dass Syrien der Schauplatz eines neuen Szenarios geworden ist, d. h. eines Krieges um natürliche Ressourcen?

A : Wenn Ihr Land eine wichtige strategische Lage einnimmt und Sie Zugang zum Mittelmeer haben und alle Verkehrswege von Norden nach Süden, von Westen nach Osten über Ihr Land verlaufen, dann sage ich, dass jeder Krieg, der durch das Rennen nach Bodenschätzen verursacht wird, Sie gezwungenermassen berührt, das hängt nicht nur vom Erdgas ab, sondern betrifft auch etwas Anderes, sehr Wichtiges, nämlich unsere Lage und unsere Rolle in der Region. Dies ist eine historische Rolle, deren Bedeutung Einige ständig zu mindern versuchen, um die Bedeutung Syriens allein auf seine Grenzen zu beschränken. Das ist aber unmöglich, unsere Rolle wird immer eine größere sein. Kriege um Gas und Erdöl sind möglich, es handelt sich um Kriege, die schon in Zentralasien begonnen haben, an den Südgrenzen Russlands und in anderen Gebieten. Aber in Syrien muss man noch ein anderes Element in Betracht ziehen.

F : Wenn es nicht um einen Erdgaskrieg geht, warum Syrien und warum jetzt?

A: Weil sie immer ihre eigenen Marionetten suchen, ich spreche von den westlichen Ländern. Syrien wird niemals erlauben, dass man es in irgendeiner Sache zur Marionette macht. Sie haben das schon öfters versucht und zur Yeit machen sie dasselbe Spiel weiter.

F : Und was will Saudiarabien und hat es dieselben Ambitionen?

A : Wir haben nie mit ihnen darüber gesprochen, diese Leute haben sich erlaubt, uns in Syrien in Bezug auf die Demokratisierung Ratschläge zu erteilen, das ist komisch genug.

F : Wir waren in Homs mit Polizeikräften, und so wurden wir yu Augenzeugen, wie sehr sie terroristischen Angriffen der bewaffneten Gruppen ausgesetzt sind; ist die Lage nach Ankunft der UNO-Beobachter ruhiger geworden?

A : Ja, aber nur von einer Seite und nur in direktem Affront. Das heißt, wir haben sehr wohl die Stellung unserer Streitkräfte geändert, aber die Zahl der terroristischen Angriffe ist stark gestiegen in Bezug auf den Anfang der Krise. Ich denke, dass Sie sich an die letzten terroristischen Attentate in Damaskus erinnern, bei denen Dutzende von friedlichen Bürgern in Damaskus gefallen sind, ohne die Hunderten von Verletzten mitzuzählen. Unter diesem Gesichtspunkt hat sich die Lage überhaupt nicht gebessert.

F : Aber in welcher Hinsicht verbessert sich die Lage?

A : Das Schrecklichste ist meiner Meinung nach die Ermordung friedlicher und friedliebender Bürger. Jetzt beginnen sie, immer mehr Zivilisten zu töten, Lehrer, Professoren und Stammesführer: die haben keine Verbindung zur Politik. Ebenso versuchen sie eine Atmosphäre der Anarchie zu verbreiten. Der Plan von Kofi Annan beschränkt sich nicht nur darauf, diese Gewalt zu stoppen, sondern soll auch den Leuten helfen, in ihr Heim zurückzukehren,Wohnungen aus denen sie von den Terroristen vertrieben wurden. Außerdem ist es Aufgabe dieses Plans, den Waffenschmuggel und die Finanzierung der Terroristen zu unterbinden, sowie Druck auf andere Länder auszuüben und von ihnen Rechenschaft über ihre unverantwortlichen Erklärungen zur angespannten Lage in Syrien zu verlangen. Der Plan Annan dürfte sich nicht nur auf diesen zerstörerischen Terrorismus und auf die täglichen Zusammenstöße, die er möglich macht, beschränken, sondern auch auf seine Finanzierung und seine Unterstützer.

F : Hat die Arbeit der Beobachter irgendein Ergebnis gebracht?

A : Sie sprechen von Gewalt, aber nur von Seiten der Regierung und sagen kein Wort von wegen der Terroristen. Wir erwarten diesen Monat den Besuch von Kofi Annan und werden ihn danach fragen.

F : Die europäische Union hat neue Sanktionen gegen Syrien beschlossen. Wer leidet darunter? Die einfachen Leute oder die Regierungsverantwortlichen? Die einfachen Leute leiden darunter und nicht die Regierung. Natürlich schlagen sich diese Sanktionen auf die Wirtschaft des Landes nieder, und Syrien musste enorm vielen Schwierigkeiten ins Gesicht sehen. Aber wenn sie von der Anwendung dieser Sanktionen auf Syrien sprechen, dann meinen sie die, welche die westlichen Länder beschlossen haben. Wir haben ausgezeichnete Beziehungen zu den meisten Ländern der Welt, außer zum Westen, deswegen sind wir in der Lage, Ersatzlösungen zu finden. Die Welt beschränkt sich nicht auf die Vereinigten Staaten und Europa. Wir haben alternative Lösungen gefunden, die es uns erlaubt haben, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Wir sind in der Lage, unsere kleinen und mittleren Unternehmen zu unterstützen, die der Motor unserer Wirtschaft sind. Im Übrigen ist es schwierig sich vorzustellen, dass diese Sanktionen eine negative Wirkung auf die Landwirtschaft haben könnten.

F : Haben Sie im letzten Jahr Fehler gemacht? Und wenn Sie die Gelegenheit hätten etwas zu ändern, was würden Sie anders machen?

A : Wir irren uns alle, weil wir ja alle nur Menschen sind, und je mehr wir arbeiten, desto größer wird die Zahl unserer Fehler. Aber es ist ein Unterschied, ob man einen Fehler begeht oder scheitert. Wenn Sie auf sozialem Gebiet arbeiten, sehen Sie sich mit den Sorgen von Millionen Menschen und den Problemen des sozialen Lebens konfrontiert. Es ist unmöglich, dass Ihre Entscheidungen mit den Interessen aller in Einklang stehen, und manchmal sind Sie gezwungen, Ihre Entscheidungen zu ändern. Um auf die Diskussion hinsichtlich der Fehler zurückzukommen, die man hat machen können, sage ich, dass es unmöglich ist, waehrend der Krise nach ihnen zu suchen. Sie können nicht objektiv bleiben, wenn Sie davon absehen, ob Sie von sich sprechen oder ob die Anderen von Ihnen sprechen. Natürlich sind Sie niemals objektiv, wenn Sie von sich selbst sprechen. Zweitens hilft Ihnen die öffentliche Meinung später, Ihre Fehler in den Fällen zu finden, wo Sie nicht Recht hatten, und es wird Ihnen möglich sein, den Weg zu prüfen, den Sie gegangen sind. Aber jetzt ist unsere Krise auf dem Höhepunkt. Wir haben diese Situation noch nicht hinter uns. Deshalb werden wir erst später über Fehler sprechen.

F : Glauben Sie, dass eine solche Unterstützung der Baath-Partei im Parlament * bedeutet, dass Sie wenig Fehler gemacht haben?

A : Das ist das beste Ergebnis seit Schaffung des Parlaments im Jahre 1973. Und wir haben diesen Sieg ohne jede Unterstützung durch die Verfassung erzielt. Das heißt, dass unsere Popularität in Syrien eine Tatsache ist. Wir regieren seit 50 Jahren. Die Baath-Partei ist keine neue Partei, sie wurde 1947 gegründet. Und es ist natürlich, dass wir noch stark sind. Und der Grund dafür lässt sich nicht auf wer weiß welche Fehler resümieren.

F : Syrien hat auf einer einzigen Ebene verloren. Der Informationsminister hat vor uns zugegeben, dass Syrien den Medienkrieg verloren hat. Wie ist es dazu gekommen und wie werden Sie diesbezüglich vorgehen?

A : Wir können in diesem Krieg nicht gewinnen. Das Wichtigste ist unserer Ansicht nach der Sieg im wirklichen Leben, die Medien können erfundene Bilder fabrizieren, aber diese Bildern verschwinden innerhalb kürzester Zeit. Nur die Realität bleibt nach diesen Bildern erhalten. Sie haben uns zu Beginn der Krise besiegt,als sie Märchen erfunden und Lügen verbreitet haben. Aber mit der Zeit hat sich alles geändert, weil die Realität anders ist als jene Medien erzählen. Die Medien können die Wirklichkeit nicht ändern, wenn wir uns auf einen langen Zeitraum einstellen und unsereiner verlässt sich auf die Gegebenheiten vor Ort. Andererseits haben wir versucht, Journalisten aus verschiedenen Ländern unseren Standpunkt klar zu machen, aber das ist uns nicht immer gelungen, weil sie Syrien boykottieren und Journalisten hierher senden, die die gleichen Lügen verbreiten, und das ganz sicher. So war es am Anfang de Krise. Wir haben alles Menschenmögliche getan. Aber ich möchte noch einmal bemerken, dass wir uns auf die Gegebenheiten vor Ort konzentrieren müssen und nicht darauf, was die Medien verbreiten.

F : Als normaler Mensch, berühren Sie diese Lügen nicht, die überall verbreitet werden, ich meine über Sie und Ihre Gemahlin ?

A : All dies war ein Lügengespinst, falsche Vermutungen und Anschuldigungen. Man kann dies egal wie nennen. Das sind Seifenblasen, die nicht lange überleben. Wenn Sie in der Realität leben, achten Sie nicht darauf, ihr Zweck ist es, Ihre Aufmerksamkeit mit Hilfe dieser Anschuldigungen abzulenken, und wenn Sie nicht darauf antworten, gewinnen Sie doppelt: anstatt Ihnen Sorgen zu bereiten, schaffen sie sich selbst und ihren Freunden welche; und mit der Zeit führt das dazu, dass sie an ihre eigenen Lügen glauben und an ihre verfälschte Sicht der Wirklichkeit, so dass es dazu kommt, dass sie ihre künftigen Entscheidungen auf Lügen stützen. Ich möchte daran erinnern, dass wir diese Anschuldigungen nicht dementieren, sondern dass wir dazu schweigen. Viele Leute fragen uns: Warum antworten Sie nicht auf diese Anschuldigungen? Warum sagen Sie nicht, dass das Lügen sind? Aber unsereiner sagt: Das ist etwas Hervorragendes, lasst sie so denken, eines Tages werden die Leute wissen, dass es sich um Lügen handelte. Jetzt aber wollen wir aus unserer augenblicklichen Stellung Vorteile ziehen. Persönlich schenke ich dem, was sie sagen, keinerlei Beachtung, aber bei passender Gelegenheit spreche ich darüber, wie man von diesen politischen Anschuldigungen profitieren könnte.

F : Wie ist Ihre Sicht von der Zukunft Syriens und wie gestalten sich die nächsten Schritte?

A : Wir werden ein neues Parlament haben und wir planen auch, einen direkten Dialog mit den verschiedenen Parteien und politischen Führern in Syrien in Gang zu setzen. Wir setzen weiter die Reformen um im Rahmen eines nationalen Dialogs; hier werden wir alle Gesetzesartikel diskutieren, die während der Krise verabschiedet wurden. Vielleicht diskutieren wir auch über die Verfassung selbst. Das sind unsere Pläne. Und am Wichtigsten ist die Regierung, unter deren Schirmherrschaft sich der Dialog zwischen den verschiedenen politischen Strömungen abspielt.

F : Auch der russische Außenminister hat wiederholt erklärt, dass die Reformen in Syrien zu langsam sind. Was für eine Erklärung gibt es für diese übermäßige Schwierigkeit?

A : Ihr Außenminister hat nicht so mit mir gesprochen, aber wenn wir darüber diskutieren, was zu früh, genau oder rechtzeitig geschehen ist, mßssen wir entscheiden, welcher der richtige Zeitpunkt ist. Im Moment ist das Terrorismusproblem eines der wichtigsten in Syrien. Manche stellen sich vor, dass wenn wir früher die Reformen angegangen wären, die Lage besser als jetzt wäre. Aber das stimmt nicht, aus dem einfachen Grund, dass die Terroristen sich nicht für Reformen interessieren, sondern nur für den Terrorismus. Auch Ihr Land war schon Opfer terroristischer Aktionen, deren Ziel ebenfalls nicht gerade Reformen waren…. Früher, später oder zur rechten Zeit, das ändert nichts und kommt nicht aus einer objektiven Sicht der Dinge. Wer bestimmt die Grenzen? Viele Syrer meinen, dass diese Reformen zu früh kommen. Wir haben eine neue Verfassung ausgearbeitet und wir haben sie in nur vier Monaten verabschiedet; die Zeit dafür ist zu kurz um alle Gesetze durchzugehen und darüber zu diskutieren. Normalerweise braucht man für so einen Eingriff zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Wichtig ist zu unterscheiden zwischen dem, was mit Terrorismus und dem, was mit dem normalen politischen Leben des Landes zu tun hat. Keine politische Linie wird uns von der Geißel des Terrorismus befreien. Deshalb sind wir keiner Verabredung verpflichtet. Es gibt Terroristen und man muss sie bekämpfen.

F : Was halten Sie von der Unterstützung durch Russland und China?

A : Sie unterstützen mich nicht als Praesidenten. Sie unterstützen auch nicht in größerem Maße die etablierte Ordnung in Syrien. Ich mag diesen Ausdruck nicht, weil wir ein Verfassungsstaat sind. In Wirklichkeit unterstützen diese zwei Länder eher die Stabilität in unserer Region. Sie sind sich völlig der geostrategischen Rolle Syriens bewusst. Ohne ihre Unterstützung wird die Region in die Anarchie stürzen, die sich nach Syrien sehr schnell auf andere Regionen ausbreiten wird. Infolgedessen ist Syrien nicht allein betroffen, sondern es handelt sich ganz einfach um die Stabilität der Welt.

F : Ich danke Ihnen, Herr Präsident A: Vielen Dank, dass Sie gekommen sind. * (s. Ergebnis bei den Parlamentswahlen, etwa 80% der Stimmen für die Koalition von Baathpartei und ihren Verbündeten,bei fast 51% Wählern)

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