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Aleppo. Eine Stadt verdurstet

16/07/2014

Übersetzt von Barbara

Aleppo. Eine Stadt verdurstet 

 

9. Juli 2014
Seit dem 2. Juni 2014 ist eine ganze Stadt ohne Wasser…Es war weder die Fastenzeit noch der Ramadan…Eine vergessene Märtyrerstadt, die in der Gleichgültigkeit der Welt lebt… Eine Stadt, die ihr Los nicht selbst gewählt hat, sondern es ertragen muss… Die Stadt und ihre Bewohner, mehr als zwei Millionen Menschen, sind in der Not… in Wassernot….
Dieses Wasser, das vom Euphrat kommt, fehlt uns. Wir werden bestraft für wer weiß welches Verbrechen, das wir begangen haben sollen. Man kann nicht ein ganzes Volk bestrafen… Man kann nicht schweigen….Es ist empörend, die Kinder und die Alten zu sehen, die auf den Straßen von Aleppo vor einem Wasserhahn warten, um einen Kanister oder eine Flasche zu füllen. Es ist undenkbar, dass in diesem dritten Jahrtausend eine ganze Stadt ohne Wasser ist. Wir, die Blauen Maristen*, haben mehrere Hilferufe ausgesandt, um dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuklagen… Wir tun unser Bestes, um alle, die uns darum bitten, mit Wasser zu versorgen, aber die Lage ist unhaltbar geworden.
In dem Augenblick, in dem ich diesen Brief schreibe, kündigt der Muezzin das Ende eines Fastentags für die Muslime an. Es ist heiß… Fast 40 Grad… Die Hauptbeschäftigung vieler Menschen heute wird die Suche nach Wasser gewesen sein. Es ist eine Schande….Viele Freunde aus dem Ausland wollen wissen, wer dafür verantwortlich ist… Es ist nicht wichtig, es zu wissen. Das Wichtigste ist, dass die ganze Bevölkerung leidet. Vor drei Jahren, als der Krieg in Aleppo ausbrach, war Ramadan, der Ramadan der Flucht… Voriges Jahr war es der Ramadan der Blockade und dieser Ramadan ist der des Wassermangels… Was werden wir noch erleiden müssen? Warum muss man noch leiden? Die Leute sind müde. Sie können einfach nicht mehr… Zwar sind sie gedudig, hoffen, warten, aber warum sind sie geduldig? Auf wen hoffen sie und was erwarten sie?
Ich schlage euch vor, dieses Experiment ein, zwei, drei Tage, eine Woche, einen Monat durchzuhalten… Lebt diese Erfahrung des Mangels und der Not…. Stellt euch vor, dass das Trinkwasser, das Haushaltswasser in den kleinen Bach gegossen wird, der durch eure Stadt fließt, und dass es nicht bis zu euch kommt. …
Stellt euch vor, dass, um zwei Kanister Wasser zu füllen, ihr mindestens eine Stunde braucht… Stellt euch vor, dass das Wasser, das ihr eingefüllt habt, Krankheiten bei euch auslösen kann, eine Vergiftung und manchal einen Krankenhusaufenthalt….
Und als ob die Wassersperre noch nicht genug wäre, kommt noch der elektrische Strom hinzu….Eine oder zwei Stunden am Tag. Auch da lade ich euch ein, das Experiment zu wagen…. Ein Tag ohne Strom, ohne Kühlschrank, ohne Waschmaschine, ohne Fernsehen. Ohne, ohne und ohne….
Aleppo, die vergessene Stadt, das ist unsere Stadt. … Eine Stadt, die leidet … Ich denke an S., einen Uiversitätsprofessor, der mit einem seiner Kinder an seinem Arbeitsplatz schläft, während die übrige achtköpfige Familie in einem Busgerippe lebt. Ich denke an G. , der für einen Weg von 30 Minuten mehr als 11 Stunden brauchte, um zu uns zu gelangen. Ich denke an S., diesen Fahrer, Vater von 4 Kindern, von denen zwei behindert sind und der mit zwei anderen Familien im Keller lebt…
Leider haben viele Aleppiner die Stadt verlassen… und diesen Sommer noch mehr… Um anderswo, im Inneren selbst von Syrien oder im Ausland ein würdiges Leben zu führen, das eher dazu geeignet ist, menschlich genannt zu werden. Wird Aleppo wieder zu dem werden, was es war? Gibt es Zeichen einer Befriedung? Wie erfolgt eine eventuelle Wiederversöhnung, auf welcher Grundlage… wenn man sein Haus gesehen hat, die Frucht eines ganzen Lebens, von Bomben oder einer Mörsergranate zerstört, oder wenn man die Seinigen tot oder schwer verletzt gesehen hat?
Wenn man in Aleppo lebt, ist man man über die Rückkehr eines Freundes ins Land überrascht und man ist sehr schnell enttäuscht, wenn man erfährt, dass er kommt, um seine Angelegenheiten in Aleppo zu regeln, um die Stadt endgültig zu verlassen. Man ist vor lauter Fragen zerrissen: Soll man warten, um die Stadt zu verlassen, oder soll man es sofort tun? Soll man einen Stromgenerator anschaffen oder soll man warten, dass alles wieder hergerichtet wird ? Soll man die Kinder rauslassen trotz der Angst vor einer Mörsergranate oder irgendeines Qerschlägers oder soll man sie zu Hause behalten? Was soll man unternehmen, für wen, weshalb? Mit wem und in wessen Namen ?
Und dann ist noch diese Bedrohung, die von anderswoher kommt, von diesen Fanatikern, von denen, die das syrische soziale Netz nicht kennen …Sie sind da, vor den Toren der Stadt, um Angst und Schrecken herrschen zu lassen. …Sie sind da, um ein Gesetz im Namen einer Religion aufzuzwingen, mir der sich viele ihrer Religionsgenossen nicht identifizieren .. Sie töten, verbieten, hindern die Leute daran, sich frei zu ihrem Glauben zu bekennen… Man muss ihnen Tribut zahlen «die Jizya », eine Steuer, der alle Nichtmuslime unterworfen sind, oder man lässt alles zurück und geht anderswohin …
Dem Beispiel F. Emili Turus, unseres Generaloberen folgend, schließen wir uns dem Apell von Andrea Riccardi, dem Gründer der Gemeinde Sant ‘ Egidio an «Retten wir Aleppo».
http://champagnat.org/400.php?a=6&n=3312
http://www.santegidio.org/pageID/64/langID/it/itemID/12827/L_appel_d_Andrea_Riccardi_pour_Alep.html
In Aleppo leben ist ein Kompromiss von Engagement und Hoffnung, es ist ein innerer Kampf, um nicht aufzugeben und alles im Stich zu lassen, es ist ein Wille, nein zum Getriebe des Krieges und der Gewalt zu sagen, es ist ein Blick auf das Elend des Anderen, um ihm zu Hilfe zu eilen….
Wir, die Blauen Maristen, haben uns entschlossen, Initiativen zu ergreifen, wir haben uns entschlossen, uns nicht von der Angst lähmen zu lassen… wir haben uns entschlossen, ein Licht der Hoffnung für alle diese Flüchtlinge, die alles verloren haben, und die Verletzten zu sein und eine Zuflucht für alle, die nichts mehr haben.
Unsere Aktivitäten gehen weiter… Die Kinder der beiden Projekte : « Ich will lernen » und « Lernen, groß zu werden », haben zwei Wochen an Sommeraktivitäten mit dem Thema «Die Erde des Glücks » ausgefüllt.
Die Jugendlichen der Skill School haben ein tägliches Programm mit dem Thema « Masarat » oder « Parcours »…
Die jungen Damen haben das Projekt « Tawasol » wieder aufgenommen…
Der MIT hat seine Vorträge und seine Ausbildungskurse wieder aufgenommen
Alle Hilfsprogramme gehen weiter… Die regelmäßige monatliche Verteilung der verschiedenen Lebensmittelkörbe, die Austeilung warmer Mahlzeiten, der Kleider usw.
Das Projekt „zivile Kriegsopfer” » hat noch mehrere durch Mörsergranaten schwer verletzte Menschen gerettet.
Ich schließe mit den Worten des Papstes Franziskus anlässlich des Angelus des letzten Sonntags:
„Wieviel Schlimmes richtet die menschliche Gleichgültigkeit gegenüber denen an, die in Not sind! Und noch mehr die Gleichgültigkeit der Christen.“
Brief aus Aleppo Nr. 18 (7. Juli 2014)
Für die Blauen Maristen
Pater Georges Sabe
Hochgeladen auf Arrrêt sur Info am 9.7.2014
http://arretsurinfo.ch/alep-une-ville-assoiffee/

* http://www.kontinente-media.org/downloads/12-13-012013.pdf

2 Kommentare leave one →
  1. Barbara permalink
    22/07/2014 20:44

    Aleppo 14.7.2014
    Erzählungen zufolge finden Kämpfe in Aleppo am nördlichen und nordwestlichen Stadtrand statt und in den „illegalen“ Vorstädten, wo jeder so baute, wie er es wollte und konnte, aber ohne Erlaubnis und Kontrolle, und wo es Lager gab mit Kellergewölben, Schrotthändler, Handwerker, kleine Läden und dichtbesiedelte, ein Bisschen chaotische Viertel, Großfamilien mit fünf bis zehn Kindern oder mehr, die alle wie in Clans lebten. Alles wurde untereinander verhandelt, zwischen Familienoberhäuptern oder den Chefs erweiterter Familien und selbst in Form von Unterclans, die Grundstücke, die Arbeitsflächen oder die Baugrundstücke, bevor sie mit der Stadtverwaltung zu tun hatten und natürlich die Heirat unter den jungen Leuten sich nahestehender Clans! Die Stadtverwaltung kümmerte sich um diese Gebiete ein Bisschen von Weitem, was sicher besser war, um dieser Bevölkerung mit so vielen jungen Leuten ein Auskommen zu verschaffen, sie leben und arbeiten zu lassen auf ihre Weise!
    Das war schon der Übergang zwischen Land und organisierter Stadt, die von den alten illegalen Vierteln ausging, die sich nach und nach „verbürgerlicht“ haben wie z.B. das alte Niemandsland zwischen Bab Neyrab und den immer weiter entfernten Flächen am Stadtrand und noch zwischen Dorfbewohnern und „Shawiya“-Unterclans, oder gleich Dorfbewohnern, die sich nach und nach in der Stadt integrierten, z.B. gegen Norden, wo Aleppo sich immer mehr nach Dar Ta’azeh und St. Simeon im Nordwesten ausbreitete!
    Vorher schon war es schwierig gewesen, sich im Straßengewirr dieser illegalen Viertel zurechtzufinden, obwohl diese Gebiete, die rehabilitiert wurden, über Schulen, Moscheen, Strom verfügten und mit Minibussen und städtischen Bussen erreicht werden konnten. Der Run auf billigere Wohnungen für diese großen Familien erklärt auch die Verpflichtung , die neuen, weiter entfernten Viertel mit den üblichen Dienstleistungen zu versehen.
    Aleppo selbst im westlichen Teil ist ruhiger, man hört den Kampfeslärm, aber die, die nie ihre Häuser im westlichen Teil verlassen haben, schaffen es zu leben und wie alle Syrier in all diesen unglücklichen Zeiten organisieren sie sich. Wenn es kein Wasser gibt, müssen sie Wasser kaufen, und den Stromausfall haben viele mit Generatoren wettgemacht. Doch ist die Lage sehr viel ruhiger als zuvor. Und die Lebensmittelpreise sinken deutlich!

  2. 17/07/2014 00:07

    Ein toter dänischer Terrorist in Syrien
    twitter.com/MujaahidaHafy/status/489510773534642176
    „Abu Aisha Al Denmarki (Danish) martyred recently in #Syria fighting against Assad and co.“

    Die Morde im Irak gehen genauso weiter wie in Syrien auch

    ولاية ديالى|| صور من اقتحامات أسود الخلافة لمقرات وثكنات الحكومة الصفوية -20- الدولة الإسلامية

    twitter.com/diyala1435_w/status/488954099912966144

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