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Fortsetzung Tagebuch aus Syrien. #Syria

20/09/2014

Danke für den Bericht aus Syrien, meine Gedanken sind bei Euch und meine besten Wünsche.

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11.9.2014
Heute ist der 49.Geburtstag des Präsidenten. Ein geschichtsträchtiges Datum: Sturz von Allende in Chile 1973 durch die faschistischen US-Proxis und ihr eigenes False Flag-Verbrechen. Jetzt wissen wir, warum sie den syrischen Präsidenten unter Anderem so hassen. Er erinnert sie an ihre Verbrechen.
Gedenken an Allende:
http://www.legrandsoir.info/il-etait-une-fois-le-11-septembre-1973.html

12. 9.
Die Nächte werden etwas kühler und somit angenehmer. Das Meer zeigt sich von seiner besten Seite, das Wasser angenehm warm. Von unserem Badeplatz kommen wir an der Sport’s City vorbei, wo so viele Flüchtlinge wohnen, allerdings nur Frauen und Kinder. Fragt man sie , wo denn der Ehemann oder Vater sei, bekommt man als Antwort:“Wissen wir nicht“. Sofort sagen sich die Leute von Lattakia, dass die wohl im „Freiheitskampf“ seien (oder bei Daesh) und ihre Familien in der Obhut der „Unfreiheit“ gelassen haben. Wenigstens unterliegen die nicht der Doktrin der „Freiheitskämpfer“ und Kopfabschneider. Da handelt der syrische Staat schon sehr klug. Die Kinder erhalten Unterricht von freiwilligen Studenten.

Habe heute meine beste Freundin nach einem Jahr wieder gesehen. Man freut sich einfach wieder, wenn das alte Leben zurück ist. In Damaskus hatte ich auch eine andere Freundin besucht, alles Ausländerinnen, die trotz allem in Syrien aushalten. Die russischen Ehefrauen in Lattakia sind praktisch alle da. Hier und in der unmittelbaren Umgebung ist auch nichts zu spüren vom Krieg, Zum Glück! Hoffentlich bleibt es so!

14.9.
Heute ist das Fest des Heiligen Kreuzes (ich weiß nicht einmal, was die entsprechende Bezeichnung auf Deutsch ist). Jedes Jahr wurden an diesem Tag in Maalula Feuerbälle aus Reisig von den Bergen ins Tal hinunter gerollt. Auch dieses Jahr fand ein Gottesdienst in Maalula statt und ein brennender Reisigball fand seinen Weg nach unten. Das macht wirklich zuversichtlich. Die Leute sind des Krieges mehr als überdrüssig und wollen endlich ein Ende und in Ruhe gelassen werden.

Mehrere Raketen sind über Damaskus niedergegangen und haben wieder Opfer gefordert. Ein letzter Versuch der Terroristen, sich vor ihrem Untergang an der syrischen Bevölkerung zu rächen?

16.9.
Wir waren heute in Jableh. Vorher im Dorf mit Orangen- und Zitronenhainen, glücklichen Hühnern und Enten und sauberer Luft. Charakteristisch in den Dörfern von Lattakia und Tartus ist, dass die Leute zwar wenig Geld haben, aber ihre Kinder möglichst in weiterführende Schulen schicken und auf gute Ausbildung Wert legen. Das hat dazu geführt, dass der Lebensstandard der Bevölkerung sich verbesserte. Das ist im Übrigen auch im Regierungsbezirk Sweida und im Qalamun so. In der Ghouta von Damaskus erinnere ich mich an die Frauen von Harran al Awamid, die uns einmal bei einem Besuch des Dorfes zum Tee eingeladen und uns stolz erzählt hatten, dass alle ihre Kinder zur Schule gingen und studierten, während im Nachbardorf das nicht der Fall sei. Das große Problem der Ghouta sind die kinderreichen Familien, obwohl der Staat schon seit Jahren kostenlos Verhütungsmittel zur Verfügung stellt. Es ist auch eine Sache der Mentalität. Viele Väter (die Mütter weniger) sind stolz auf ihre „Männlichkeit“ mit einem großen Stall von Kindern, die möglichst früh Geld hereinbringen sollen, auch wenn die Schulpflicht bis 15 Jahre geht. Deshalb hatte die Frau des Präsidenten vor dem Krieg darauf hingearbeitet, dass die Dörfer entwickelt werden, um die Landflucht zu stoppen und den Menschen eine Zukunft in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen. Leider hat der Krieg einen Strich durch diese Rechnung gemacht.
Das einst fast dorfartige Jableh hat sich in den drei Jahren, die ich es nicht mehr gesehen habe, rapide vergrößert mit vielen höheren Gebäuden. Wir fanden fast die Wohnungen der Verwandten und Freunde nicht mehr.

17.9.
Wieder eine Freundin getroffen, die ich schon drei Jahre nicht mehr gesehen habe und die nun ihr Ferienhäuschen im Norden Lattakias genießt. Ihr Mann will nach anderthalb Jahren Abwesenheit Syrien nicht mehr verlassen. Er begann, Depressionen zu entwickeln und abzumagern. Ihr Häuschen war zwar völlig verdreckt und vieles funktionierte nicht mehr nach drei Jahren Abwesenheit, so dass die ersten Tage ein einziges Reparieren und Saubermachen darstellten, aber er blüht wieder auf. Wir werden uns alle in Damaskus treffen.
Sie erzählte mir von einer Nachbarin in Dummar, am westlichen Stadtrand von Damaskus, das auch in 20 Jahren von einem Dorf zu einem neuen Stadtteil mit über 400000 Einwohnern gewachsen ist. Der neue Teil nennt sich jetzt New Sham – Neu-Damaskus. Als meine Freundin dort ankam, sah sie eine konservative Nachbarin, die sie die Jahre zuvor kaum gegrüßt hatte und ihr jetzt um den Hals fiel voller Freude, sie zu sehen. Man kann nie hinter die Fassade der Menschen sehen. Die Leute hier freuen sich einfach riesig, wenn sie sehen, dass Ausländer oder meistens eher Ausländerinnen wieder zurückkehren und nicht alle fortbleiben. Irgendwie hat das einen psychologischen Effekt und gibt Hoffnung.

Hier in Lattakia versichern sich die Nachbarn verschiedener Glaubensrichtungen gegenseitig ihrer Solidarität und halten zusammen. Ein gutes Zeichen! Aber ob das überall so ist, bezweifle ich, vor allem wenn Leute schlimme Erfahrungen mit ehemaligen Nachbarn gemacht haben. Hoffentlich greifen die verschiedenen Versöhnungsprogramme. Da liegt ein gutes Stück Arbeit vor den Behörden und Freiwilligen.
Im Libanon werden Syrer immer mehr angefeindet und als „Daesh“ beschimpft. Wenn man bedenkt, dass schon vor dem Krieg etwa 1 Million Syrer im Libanon arbeiteten und mit den „Freiheitskämpfern“ so gar nichts zu tun haben, während libanesische „Freiheitskämpfer“ in Syrien unterwegs sind, dann sieht man wieder, wie die amerikanische Propaganda wirkt. Wie viele Libanesen waren während der israelischen Invasion in Syrien wie selbstverständlich aufgenommen worden! Und Hilfe von außen gab es kaum. Somalis, Sudanesen, Iraker – Syrien hat immer Flüchtlinge aufgenommen und versucht, sie zu integrieren. Auch wenn es darauf hinarbeitete, dass die Flüchtlinge wieder in ihr Land zurückkehren können wie die Palästinenser, die sogar beim Staat angestellt sind, aber auch ihre eigene Verwaltung haben. Das hat natürlich politische Gründe.

18.9.
Noch einmal im Dorf im Süden und dann bei Ras Shamra- Ugarit im Norden von Lattakia. Alles wie es immer war, sehr schön. Orangenhaine, alles grün, ein Traum! Der Krieg ist weit weg.
In Deir-Ezzor wird den Terroristen der Garaus gemacht.
Im Friedhof viele Märtyrer. Alle erzählen mir, dass die meisten Märtyrer von der Küste stammen. Eine Familie hat ihre 6 Söhne verloren. Da holt einen der Krieg wieder ein.

Im Regierungsbezirk Hama hat die Armee große Lager mit chemischen Substanzen zur Herstellung chemischer Waffen entdeckt, die aus der Türkei, Saudiarabien und Kuweit stammen.

Morgen früh geht es wieder nach Damaskus zurück. Hier in Lattakia hatte ich wenigstens Internet, wenn auch öfter mal mit Schwierigkeiten. Das ist morgen dann zu Ende und ich weiß dann wieder nicht, wann ich etwas hochladen kann. Mal sehen!

2 Kommentare leave one →
  1. 22/09/2014 10:32

    Neben der Terror-Organisation IS haben weitere Milizen angekündigt gegen den Milizenchef, Massenmörder und Kriegsverbrecher Zahran Allousch, gegen die „Islam Armee“ den Kampf aufzunehmen. Sie haben sich zu dem Bündnis “ Umma-army“ zusammengeschlossen.

    Bei Binnish/Idlib bombardieren Terroristen eine Schiiten-Enklave aus Rache…
    استهداف تجمعات الجيش والشبيحة في مدينة الفوعة بوابل من القذائف والصواريخ انتقاما لمجزرة بنش

  2. 21/09/2014 12:17

    Hier ein Video welches ganz deutlich zeigt wie Al-Kaida-Todesschwadrone der Jabhat al Nusra mit USA_made BGM-71-TOW-Raketen unterstützt werden auch im Golan mit Ziel auf Damaskus:

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