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Tagebuch aus Syrien September 2015 #Syria

07/09/2015

Anmerkung urs, die XXXXX  sowie Links von mir gesetzt.

Danke an den Tagebuchschreiber, ich drücke die Daumen für die ganze Familie nebst Freunden und Bekannten und hoffe sie bleiben auch weiterhin unbeschadet durch die vom Westen unterstützten Terroristen. Danke für das Tagebuch, ich freue mich auf die Fortsetzungen

Tagebuch aus Syrien September 2015:

Nachdem ich letztens beschlossen hatte, einige wichtige Dinge endlich zu erledigen, die schon seit drei Jahren darauf warten und die ich immer beiseite geschoben hatte in der Meinung, dass es Wichtigeres gebe, will ich wenigstens in Ermangelung eines Internets zum Tagebuch greifen und meine täglichen Eindrücke in Syrien wiedergeben, in der Hoffnung, dass ich irgendwann mal Zugang zum Netz habe.
Ende August:
Ankunft in Syrien. Obwohl kurz zuvor über 80 Raketen in der Stadt niedergegangen sind, sind bei unserer Ankunft in Syrien wieder die Leute am Abend auf der Straße und in den Cafés. Keine Lust, in den heißen Wohnungen eingeschlossen zu bleiben. Auch in unserem Viertel sind Raketen niedergegangen und ich frage mich, ob unsere Wohnung noch heil ist. Nach einem Zwischenstopp bei Verwandten geht es nach Hause. Das einzige große Café in unserem Viertel ist proppenvoll. Dort gibt es wenigstens Licht und Klimaanlage, weil es einen eigenen Motor gibt. Tagaus, tagein gibt es zwei Stunden Strom und vier Stunden keinen, und das in Folge. Die Zeit ohne Strom wird strikt eingehalten, die mit Strom ist öfters unterbrochen. Zu unserer Erleichterung steht unsere Wohnung noch und alles ist in Ordnung. Die Stromprobleme bekomme ich am nächsten Tag zu spüren, als ich Wäsche waschen will. Frisches Wasser gibt es täglich von 6 bis 12 Uhr, zum Glück. Die „demokratischen Freiheitskämpfer“ hatten nämlich die Wasserzufuhr der Fijehquelle gesperrt und so die Bevölkerung ohne Wasser gelassen. Durch die Wiederherstellung der Wasserzufuhr konnte ich wenigstens die Waschmaschine anwerfen, auch wenn dann die Wäsche erst nach 6 Stunden gewaschen war, aber wenigstens das….. Das sind so die täglichen Probleme der Bevölkerung, aber man passt sich den Gegebenheiten an. Wenn ich an die Menschen in Aleppo denke, die oft 2 Wochen lang weder Wasser noch Elektrizität hatten, dann sind dies nur Peanuts.
Unsere Verbindung zwischen Wasserreservoir und Sonnenmodulen ist kaputt und wir können nur kalt duschen. Eigentlich ist das Wasser ja lauwarm, weil das Reservoir auf dem Dach von der Sonne gewärmt wird. Die Kunst ist nur, einen Handwerker zu bekommen, der sich auskennt, denn die Spezialisten waren alle in der Ghouta angesiedelt, in Harasta, Douma usw. Jetzt gibt es ja keine Verbindung mehr zu ihnen.
Die Preise sind wieder gestiegen, und man fragt sich, wie die Leute das machen. Irgendwie wurstelt sich jeder durch. Wie eine Freundin sagte: …Wenn der Müllmann zum Hausbesitzer wird.
In Deir Ezzor hört man, dass die Leute wirklich hungern in den Gebieten, die vom IS besetzt sind. Diejenigen, die dem Ganzen entkommen können, fliehen.

1. September:
Heute wollten wir nach Lattakia fahren, nachdem es mir gelungen war, drei Waschmaschinen voll zu waschen. Wir fuhren wie üblich über den Qassiun-Berg und die Ortschaft Tell. Kurz danach begann das Auto zu streiken, es gab etwas mit der Kupplung. Glücklicherweise war das Industriegebiet von Tell nicht weit entfernt und im 2. Gang war es zu erreichen. Der Mechaniker, den wir durch Zufall fanden, hatte vorher XXXXXX und konnte da helfen, allerdings waren die Ersatzteile zu finden und dann etwas 3 Stunden Arbeit zu rechnen. Also ein Teil von uns per Taxi zurück nach Hause, der andere ist dort geblieben. 2 Jungen von etwa XXXXXXJahren arbeiteten mit dem jungen Mann zusammen. Der ältere war XXXXXXX entkommen, während die Eltern dort noch in der Falle sitzen und nicht herauskommen. Er hat bei seinem Onkel Unterschlupf gefunden, geht nicht mehr zur Schule und lernt Automechaniker und arbeitet, um seine Familie zu unterstützen. Der Jüngere ist ein Cousin XXXXX Grades und stammt aus XXXXX, ist wohl mit der ganzen Familie hier und geht zur Schule, aber in den Ferien arbeitet er auch beim Onkel XXXXX Grades. Eigentlich ist die Schulpflicht bis 15 Jahre. Aber der Krieg ändert alles. Wenigstens gehören die Jungen nicht zur verlorenen Generation, weil sie einen Beruf erlernen und sich damit später den Lebensunterhalt verdienen können. Der Kleinere hatte das Rad unseres Wagens in einer Geschwindigkeit aufgeschraubt, die wir selbst nicht erreichen. Unsere Reise heute ist allerdings abgeblasen. Wenigstens ist das nicht irgendwo viel weiter weg passiert.
Wenigstens haben wir heute jemanden gefunden, der uns den Motor für das Wasserheizsystem durch die Sonnenmodule für einen vernünftigen Preis repariert. Kriegsgewinnler gibt es genug, ob Taxifahrer oder Handwerker, die jegliche Reparationen für anderthalb Monatsgehälter eines Durchschnittshaushalts durchführen. Verzehnfachte Preise.
Nach der Zerstörung des Baalshamintempels ist jetzt der Baaltempel in Palmyra dran. Zerstörung des kulturellen Erbes eines Volkes ist immer ein Teil der Politik der Kriegstreiber gewesen, die sich die Gebiete und Errungenschaften anderer Völker aneignen wollen und sie gleichzeitig verleugnen wollen.
2. September:
Das Auto ist repariert und heute ging es los. Das sind die Überraschungen, die einen erwarten, wenn man monatelang sein Auto nicht gebraucht hat, auch wenn man alles zu checken versuchte. Aber es gibt Schlimmeres. Kosten: Mehr als ein normales Monatsgehalt in Syrien, vernünftig aber aufgrund der Ersatzteilkosten.
Wir fahren also wieder über Tell durch mehrere Checkpoints und erreichen die Autobahn nach Homs bei Adra. Gleich kommen wieder alle diese schrecklichen Geschehnisse in Adra ins Gedächtnis. Die Zementfabrik ist in Betrieb. Wieviele Leute in der Arbeiterwohnsiedlung wohnen, keine Ahnung. Wäsche hängt nicht vor den Balkonen, was zeigen würde, dass dort Leute sind.
Im Qalamun gibt es bei der Abzweigung nach Maalula eine Umleitung und wir sehen einige Olivenhaine und weitere Gebiete mit Obstbäumen. Die Regierung hatte die Anpflanzung von Bäumen jeder Art gefördert, um die Berge wieder aufzuforsten, die seit der Antike abgeholzt worden waren. In Nabk sieht man auf einigen Balkonen Wäsche hängen, aber die Restaurants auf der anderen Seite der Autobahn sind immer noch Ruinen.
In Deir Atiyeh ist die Qalamun-Privatuniversität wieder in Betrieb und vor dem Krankenhaus auf der Anhöhe, in dem so viel Personal von den angeblichen Freiheitskämpfern umgebracht worden war, sind die ausgebrannten Busse und Autos verschwunden und unten stehen auf dem Parkplatz eine Anzahl von Autos. Eine Autobahnspur wird dort auch geteert.
Kurz nach der Abzweigung nach Quseir vor Homs eine neue farbenfrohe Tankstelle links, und rechts etwa 100 m von der Autobahn scheint auch eine Art Raststätte zu funktionieren.
Und dann sieht man neu bestellte Felder, die vorher brach gelegen haben, kurz vor Homs.
Bei Homs sehen wir die Raffinerie in Betrieb und noch immer zerstörte Häuser, als wir in Richtung Küste abbiegen. Die Bäume, die wir im Frühjahr wegen des außergewöhnlich strengen Winters völlig braun und praktisch abgestorben gesehen hatten, haben sich zum großen Teil doch wieder erholt und weisen in großen Teilen wieder grünes Blätterwerk in unterschiedlichen Proportionen auf. Die Natur heilt sich doch wieder selbst.
Je mehr wir vorwärts fahren, desto weniger ist der Krieg wahrnehmbar. Die Al Wadi-Universität beim Krak des Chevaliers ist auch wieder in Betrieb und an der Küste merkt man nichts. Bei einem Stopp in der Nähe von Jableh erfahren wir aber doch von Grad-Raketen, die regelmäßig auf die Ortschaften und Dörfer dort abgeschossen werden.
Bei unserer Ankunft in Lattakia hören wir von einer großen Autobombe, die in einem Viertel hochgegangen ist, wo ein Zentrum für Busse und Service-Minibusse ist. Die Soldaten hatten zwei Selbstmordfahrzeuge daran gehindert, dorthin zu kommen, der dritte Selbstmordattentäter aber schaffte es. Mindestens zehn Tote und dutzende Verletzte. Auch in der Ingenieursfakultät in Damaskus ging eine Rakete nieder und tötete mindestens zwei Ingenieure.
Die Leute hier beklagen sich über die hohen Preise. Für Europäer sind sie immer noch niedrig, auch viel niedriger als im Libanon, aber für die Leute hier viel zu hoch. Wenn man sich das Verhältnis vorstellt, dann muss man so rechnen: Wenn jemand 1500 Euros im Monat verdient und davon 30 Euros für ein Kilo Bohnen zahlen muss, dann ist das schon enorm. Ein Huhn kostet das Doppelte.
3. September:
Gestern und heute ist es sehr heiß. Zur Hitze kommt noch die Feuchtigkeit am Meer.
Jetzt kommt auch die ganze Müdigkeit hervor.
In Lattakia ist eine Frau zu Besuch gekommen, die uns erzählt hat, dass man ihr gesagt habe, dass man in Deutschland für jedes Kind 800 000 Pfund, fast 300 Euro umgerechnet bekommt. Das sind für Syrer unvorstellbare Summen, denn es werden die Lebenshaltungskosten in Deutschland nicht berücksichtigt. Kein Wunder, dass bei diesen Summen so mancher hier sein Haus verkauft oder Frau und Kinder verlässt, um das Geld in Deutschland von der Straße aufzuklauben. Diese Berichte kommen natürlich von Leuten, die schon in Deutschland sind und dies verbreiten, um ihren Schritt zu rechtfertigen, obwohl die Meisten sicher tief enttäuscht sind, dass sie das goldene Land, von dem sie träumten, letztendlich nicht erreicht haben, teilweise aber alles aufgegeben haben, was sie sich bisher aufbaut hatten, so dass sie ihren Lebensstandard schließlich gar nicht halten können.
Bei einem Dorfbesuch erfahren wir von einem neuen Märtyrer und von einem Soldaten, der ein Auge verloren hat. Überall gibt es bei den Familien in der Nachbarschaft oder Verwandtschaft Tote und Verletzte.
4. September:
Jetzt ist es zu Ende: alles wurde in Palmyra in die Luft gesprengt. Ich werde sicher nicht mehr dorthin zurückkehren, Wir sind alle deprimiert. Wer es gekannt hat, weiß, was das bedeutet. Das ist auch das Ende von Tadmor. Wovon sollen die Menschen dort noch leben? Untergang eines kulturellen Erbes! Nach Mari, Dura Europos, Apamea, den Toten Städten….. usw. Was bleibt noch übrig? Depression eines Volkes!
Und auch 20 Tote bei 2 Autobomben in Sweida. Man schwankt ständig zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Aber so soll ein Volk in die Knie gezwungen werden.
Im Westen heuchelt man scheinheilig von den Flüchtlingen, die man selbst produziert.
Die Menschen hier werden von täglichen Sorgen geplagt. Zu Ende die Zeit, wo man Vorräte einfror für den Winter, vor allem an verschiedenen Gemüsesorten, Die zwei Stunden Strom nach vier Stunden Stromausfall reichen nicht aus, um die -18 Grad C zu halten. Die Gefrierschränke werden nun als Kühlschränke für leicht verderbliche Lebensmittel benutzt, nachdem viele eingefrorene Lebensmittel entsorgt werden mussten. Einige kluge Frauen kommen auch wieder auf die gute alte Einmachmethode zurück. Konserven zu kaufen, ist nämlich ziemlich teuer.
Arzneimittel sind ebenfalls gestiegen, Die Kosten haben sich vervierfacht. Das Unglaublichste ist, wenn Händler einem die gestiegenen Preise mit dem Dollarkurs erklären wollen, obwohl die landwirtschaftlichen Produkte im Land selbst hergestellt wurden. Kriegsgewinnler gibt es immer!
5. September:
Heute Nachmittag ging es ans Meer im Norden der Stadt. Für Kinder aus Damaskus ist das eine willkommene Abwechslung von den ewigen Schüssen und Bomben, mit denen sie zwar praktisch aufwachsen, aber doch Angst davor haben. Auch den Erwachsenen tut das gut.
Mal abschalten vom ständigen Nachrichtenstress und der im Hintergrund immer vorhandenen Angst, auch wenn man es nicht zeigt. Depressionen sind gestiegen, vor allem bei jungen Frauen, bei denen die Eltern stetig Angst haben, dass ihnen etwas passieren könnte und die oft mehr oder weniger eingeschlossen sind zu Hause. Wenn man dazu die vielen schlechten Nachrichten nimmt, dann ist es nicht verwunderlich, dass Depressionen sich ausbreiten, die allerdings hier noch ein Tabuthema sind, so dass man daran arbeiten muss, die Angehörigen davon zu überzeugen, dass ihre Töchter professionelle Hilfe brauchen.

10 Kommentare leave one →
  1. 08/09/2015 22:40

    Danke

  2. 07/09/2015 21:18

    Was die US-geführte NATO-GCC-Angriffskriegsmafia von Kobane übrig gelassen hat sind Trümmer. Nun wird ein ertrunkenes Kind benutzt um für einen vollen verbrecherischen Angriffskrieg zu trommeln mit weiteren Tausnden von toten Zivilisten. Der UK-Machthaber David Cameron kann es kaum erwarten mit tausenden von Tonnen von NATObomben auch noch den Rest von Syrien in Schutt und Asche zu legen. Mindestens einen illegalen Drohnenangriff hat das UK-Regime bereits gegen Syrien geflogen.Die größten Verbrecher sitzen in den westlichen Regierungen, in Israel und in den GCC-Staaten.Die von der saudischen Kriegsmafia ermordeten Menschen im Jemen haben schweigend zu sterben!
    Ein totes Flüchtlingskind wird erbarmungslos ausgeschlachtet, auch von HRW, um die syrischen Kinder in Zukunft direkt in Syrien zu zerbomben und sich so die Kosten für die Flüchtlinge zu ersparen! Heuchlerisches Dreckskriegspack! http://www.mintpressnews.com/officials-islamic-state-arose-from-us-support-for-al-qaeda-in-iraq/208790/

    http://thesaker.is/je-suis-alyan/

  3. 07/09/2015 19:41

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